D T B

Normale Version: Die Schildwache der Freiheit - Pinars Geschichte
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Es ist unmöglich meine Geschichte ohne die von Pinar zu erzählen. Wir waren fast gleichalt. Ich war nur 4 Monate älter als sie. Während ich aber als Feldsklave auf einem Hof abseits der Stadt geboren wurde, kam sie in einem behüteten islamischen Krankenhaus in Köln zur Welt. Ihr Vater war Soldat. Ein General um es genau zu sagen. Er hatte während des Bürgerkriegs für die Miliz der türkischen Partei gekämpft. Nachdem Marschall Kelloglü getötet wurde, übernahm er den Befehl über die südliche Armee und siegte in der Ruhrschlacht über die versprengten Kräfte der alten Bundeswehr und der mit ihr kämpfenden Milizen. Entsprechend hatte er hohes Ansehen unter den Herrenmenschen. Er war ein strenger und konsequenter Mann. Er galt unter seinen Soldaten als direkt und zielstrebig, aber auch als guter Anführer. Außerdem hielt er, anders als viele andere hohe Offiziere, die Regeln der Menschlichkeit stets ein.

So verweigerte er nach der Einnahme von Köln Marschall Kelloglüs Befehl ein Massaker unter den deutschen anzurichten. Dennoch war er nicht weniger stark diktatorisch ausgeprägt. Auch er strebte eine islamisch-türkische Herrschaft über Deutschland an, obgleich er sicher kein überzeugter Anhänger der Rassentrennung und der Sklaverei war.

Pinars Verhältnis zu ihm war von einer gewissen Distanz geprägt. Oft war er an der Front und so kam es, dann Pinar ihn nur alle paar Wochen zu sehen bekam. Entsprechend gestört war auch sein Verhältnis zu seinen beiden Töchtern, obgleich er ihnen immer mit Respekt und Unterstützung begegnete. In keinem Fall lässt sich aber Pinars zu ihm als liebevoll oder gar innig bezeichnen.

Pinars Mutter war wie ihr Vater ein frühes Mitglied er türkischen Partei. Sie war Ärztin und hatte während des Krieges in einem Sanitätslager gearbeitet. Anders als ihr doch eher liberaler Vater (zumindest im Verhältnis zu anderen!) war sie ein Hardliner. Sie war im türkischen Viertel von Bochum aufgewachsen und war in diesem Sinne sozialisiert worden. Sie hatte ihr Abitur noch auf einem deutschen Gymnasium abgelegt und hatte auch auf einer deutschen Universität studiert. In dieser Zeit erlebte sie den alltäglichen Rassismus, sowie die Anfeindungen von rechtsextremistischen Gruppen. Sie lernte früh, dass sie als Ausländerin nie ganz dazu gehören konnte. Dies prägte sie, und so wurde sie eine harte Verfechterin der Unterdrückung der Deutschen.

Nach dem Krieg eröffnete sie eine Praxis in Ehrenfeld, nahe der neuen Moschee. Zusätzlich war sie mit der Erziehung von Pinar und ihrer älteren Schwester beschäftigt. Obgleich sie zu den Hausangestellten stets streng bis grausam war, begegnete sie ihren Töchtern mit viel Liebe. Für Pinar war sie eine wichtige Bezugsperson und dies sollte, trotz all ihrer Fehler bis zu ihrem Tod und vielleicht sogar noch darüber hinaus bleiben.

Pinars Schwester Hala kam ganz nach ihrer Mutter. Sie war 8 Jahre älter als Pinar und damit 3 Jahre vor dem Ende des Bürgerkriegs geboren. Als sich zum ersten Mal in Berlin islamische Milizen erhoben kam es in einigen Städten wie Köln, Aachen oder Hannover zu Pogromen gegen die türkischstämmige Bevölkerung. Hala hatte dies einmal erlebt. Das Haus ihrer Eltern war verwüstet worden, sie selbst wurde mit ihrer Mutter auf die Straße gejagt und dort zum Gespött der wütenden Menge gemacht. Hala hasste diese Erinnerung und wann immer sie es konnte rächte sie sich dafür.

Ihre politischen Positionen waren entsprechend radikal. Während Pinar später zu einem wichtigen Bestandteil der Armee der Freiheit werden sollte wandte sich Hala zu unserem späteren Unglück schon früh den Radikalen zu. Im Alter von 16 Jahren wurde sie Mitglied der Radikalislamischen Partei, einer Abspaltung der alten türkischen Partei, die es sich zum Ziel gesetzt hatte alle Deutschen auszumerzen oder des Landes zu verweisen. Kurz bevor der Zweite Bürgerkrieg ausbrach wurde sie sogar ins Palaver nach Berlin gewählt. Ihre Eltern verabscheuten im Übrigen ihre Parteimitgliedschaft. Sie lehnten die fundamentalistischen Ideale ab und selbst Pinars Mutter die als Ärztin einen Eid abgelegt hatte lehnte die radikale Haltung der Partei ab. Pinar erzählte mir später, dass die Politik oft Streitgegenstand im Hause ihrer Eltern war.

Halas innere Einstellung trug sie im Übrigen auch nach außen. Einmal, und davon habe ich erst nach ihrem gewaltsamen Tod erfahren, hatten ihre Eltern einen jungen Sklaven gekauft. Hala war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt, während der Sklave 11 oder 12 gewesen sein muss. Laut Pinar war er ein lieber schüchterner Junge gewesen. Etwas ungeschickt vielleicht, aber keineswegs tölpelhaft. Pinar mochte ihn auf jeden Fall. Dazu muss erwähnt sein, dass das Haus indem sie aufwuchs etwas abseits stand und es außer ihrer Schwester und ein paar Sklavenkindern kaum Jugendliche in ihrem Alter gab. Auch wenn ihre Mutter dies mit Argwohn beobachtete spielte sie des Öfteren mit kleinen Sklavenjungen.

Leider trug es sich an einem Morgen zu, dass der Junge Pinars Schwester Hala beim Tee anreichen etwas über ihre Hose goss. Hala geriet daraufhin so in Rage, dass sie den Jungen durch das ganze Haus prügelte. Pinar schaute dem Treiben hilflos zu und flehte Hala gemeinsam mit den anderen Haussklaven an von ihm abzulassen. Aber Hala beendete das Martyrium erst als dem Weinen und Betteln des kleinen Jungen einem entkräfteten Stöhnen gewichen war.

Obgleich die Haussklaven den Jungen sofort versorgten stellte Pinars Mutter zu ihrem Ärger fest, dass Hala ihm die Knie und Oberschenkel zertreten hatte und dass er wohl nie wieder richtig laufen können würde. Dies war nicht nur ärgerlich, zumal er ja zum Haussklaven ausgebildet werden sollte, sondern auch noch teuer. Ein behinderter Sklave verlor schließlich beträchtlich an Wert. Außerdem, so nehme ich an, war auch Pinars Mutter kein Unmensch. Diese Misshandlung lag fern ihres Interesses. Der Junge wurde in jedem Fall an eine Fabrik verkauft, wo er bis an sein Lebensende Kulis zusammenschrauben durfte. Manchmal wünsche ich mir, er wäre bei Halas Hinrichtung dabei gewesen, nur um etwas Genugtuung für seine Verkrüppelung zu empfinden. Aber ich nehme an, dass er bis dahin bereits tot war.

Ansonsten ist über Pinar zu sagen, dass sie ein eher schüchternes Mädchen war. Sie hatte nie viele Freunde gehabt , von der Grundschule an. Sie galt meist als still und schüchtern. Erst als sie sich auf ihr Abitur vorbereitete kam sie ein bisschen aus sich heraus. Sie begann in der lokalen Tanzschule Kurse zu belegen und sich für Männer zu interessieren. Da sie zierlich und hübsch war bereite ihr dies weniger Schwierigkeiten als den meisten ihrer Mitschüler. In der Schule war sie im besten Fall mittelmäßig, eher schlecht. Die einzigen Fächer mit denen sie wirklich etwas anfangen konnte waren Mathematik und Deutsch. Im Übrigen ist es bis zum Ende der türkischen Herrschaft über Deutschland stets Deutsch gewesen, welches die einzige Amtssprache war.

Als sie ihr Abitur mit einigen Schwierigkeiten geschafft hatte begann sie eine Ausbildung in einer angesehen Bank. In Banken gab es wenig deutschstämmige Sklaven. Das Geschäft war vertrauensvoll und professionell und wurde fast ausschließlich von der türkischen Bevölkerung ausgeübt. Natürlich gab es auch hier ein paar Sklaven, aber eben nur sehr wenige.

Pinar interessierte sich in dieser Zeit im Übrigen kaum für Politik. Als die Vormachtstellung der türkischen Partei zu fallen drohte trat sie auf Wunsch ihrer Eltern zwar der Partei bei, engagierte sich jedoch nicht. Dies ist im Übrigen mehr ihrer Unfähigkeit geschuldet die Möglichkeit zu Reformen durch Politik zu erkennen. Tatsächlich hatte ihn Halas Rage gegen den kleinen Jungen aus ihrer Kindheit wohl dahingegen geprägt, dass sie sich einen gewissen Schutz der Sklaven herbeiwünschte. Dennoch war sie mit der Situation weites gehend zufrieden und erkannte die Lage, also das Verhältnis von Herrenmenschen zu Sklaven als weites gehend unveränderlich und beständig an.

Jedoch verstand sie, dass das Verhältnis unnatürlich war. Ich denke dies habe ich zum ersten Mal gespürt als sie mir etwas Privates erzählte. Sie begriff mich in diesem Moment als vollständigen Menschen mit eigenen Gefühlen und Gedanken. Auch die Tatsache, wie sie mich ihren späteren Liebhabern vorführen sollte ist aus meiner Sicht ihrem freundschaftlichen Empfinden für mich geschuldet.

Wenn ich heute auf meine Begegnung mit Pinar zurückblicke, so bin ich zutiefst froh darüber. Zum einen, weil sie es letztendlich war, die den Anstoß zu den ersten Veränderungen gegeben hat, zum anderen natürlich auch, weil sie mit mir bewiesen hat, dass eine gemeinsame Gesellschaft möglich ist. Natürlich auch, weil sie die Mutter meine Kinder wurde und nicht zuletzt, weil ich sie bis heute über alles liebe.
wow ....

Topp Topp Topp
Referenz-URLs