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Normale Version: Geliebter Schmerz
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Geliebter Schmerz

Auf diese Situation war er nicht vorbereitet gewesen. Eben noch gab es ein Gespräch zwischen ihnen beiden nur in seinen schönsten Fantasien und nun kniete er mit verbundenen Augen in einem einsamen Waldstück vor ihr.
„Wenn du eine Chance bei mir möchtest, musst du ganz Mein sein.“ Ihre Worte jagten ihm immer noch eine Gänsehaut über den Rücken.
Dennoch – hatte er dies wirklich gewollt? War es sein Kopf gewesen, der zustimmend genickt hatte? Was bedeuteten ihre Worte? Die Fesseln an seinen Händen übten einen sanften Druck aus, genug, um ihn zu verunsichern. Ein falscher Film, er musste im falschen Film sein. Wahrscheinlich träumte er. Er spürte ihren Atem direkt in seinem Gesicht. Ihr Kopf musste unmittelbar vor seinem sein.
„Ich werde dich jetzt vollkommen bewegungsunfähig machen.“ Ihre Stimme klang beruhigend sanft.
Mit gemischten Gefühlen ließ er sie gewähren und spürte, wie der Druck auf seine Arme langsam zunahm. Er konnte hören, wie sie ihn wie eine Raubkatze umkreiste. Das Klackern ihrer hohen Absätze verriet jeden einzelnen Schritt von ihr. Dann fraß ihn die Stille. Nicht einmal ihren Atem konnte er mehr hören. War sie noch in seiner Nähe? Saß er alleine und gefesselt hier fest? Sein Atem beschleunigte sich und jagte das Adrenalin durch seinen unbekleideten Körper. Seine Beine zitterten kaum merklich.
Minuten verstrichen, eine gefühlte Ewigkeit. Sollte er schreien? Blödsinn. Und wenn sie fort war? Wenn sie ihn nackt und gefesselt zurückgelassen hatte?

Die Anspannung fiel schlagartig von ihm ab, als er das vertraute Klackern ganz nah bei sich hörte. Sie war dort – die ganze Zeit über war sie dort gewesen.
„Ich werde dir wehtun.“ Ihre zarte Stimme flüsterte die Worte so zärtlich, dass er ihren Inhalt anzweifelte.
Grotesk. Warum sollte sie ihm wehtun? Liebevoll streichelte sie durch sein Haar. Sollte er jetzt nicht eigentlich eine Erektion bekommen? Es stellte sich keine ein. Sein Körper zitterte aufgeregt. Sie ließ ihn schmoren. Beobachtete sie ihn? Ohne Vorwarnung griff sie in sein Haar und riss seinen Kopf zurück. Nur Sekunden später rammte sie ihm das Knie in den Hintern. Er krümmte sich, konnte aber nicht ausweichen. Die Fesseln schnitten sich in sein Fleisch ein. Dann der nächste Tritt – wohlplatziert, wie sein Vorgänger. Blindlings versuchte er wieder auszuweichen. Warum tat sie das? Was bezweckte sie damit?
„Bitte...“ In seinem Kopf ratterte es unentwegt, aber er fand keine Worte.
„Wenn du mich küssen willst, musst du mehr Schmerz für mich auf dich nehmen. Willst du es?“ Ihre Stimme glich einem einzigen Hauchen, zog ihn in ihren Bann, lockte ihn.
Er konnte nicht glauben, dass sein Kopf ihr mit einem Nicken seinen „Willen“ kundtat. Langsam und genüsslich glitt ihre Zunge über seine Lippen. Einladend öffnete er sie. Statt darauf einzugehen, holte sie kräftig aus und ließ die Hand auf seinen Hintern sausen. Ein ruckartiger Schmerz zog sich wie Wellen über sein Hinterteil. Ein Schrei löste sich aus seiner Kehle. Irgendetwas wurde in seinen Mund geschoben. Angewidert versuchte er es zu verhindern. Mit zwei Fingern hielt sie ihm die Nase zu. Sein Mund öffnete sich, als die Atemluft knapp zu werden begann. Das Ding in seinem Mund schmeckte alt und abgestanden. Er dachte daran, es auszuspucken. Ein Ratschen hielt ihn davon ab. Einen Moment lang versuchte er die Geräuschquelle auszumachen. Zu spät identifizierte er das Klebeband, welches ihn daran hinderte, das widerliche Stück Stoff auszuspucken.
Wie hatte er diesem Wahnsinn nur zustimmen können? Im Ernstfall würde er sich nicht einmal mehr verteidigen können. Und wie viel wusste er eigentlich wirklich von ihr (außer das sie ihn so rasend machen konnte, dass sein Hirn in seine Hose wanderte)? Mit dem Stofffetzen im Mund würde es ihm unmöglich sein, nach Hilfe zu schreien.

Ihre zarten Finger streichelten liebevoll über seine entblößte Schulter.
„Du hast dich entschieden. Ich werde dich erst wieder losbinden, wenn ich mit dir fertig bin. Bist du dir darüber im Klaren?“
War er es? Was meinte sie mit „fertig mit ihm sein“? Sein Herz raste. Sie lachte, als könne sie seine Gedanken lesen. Unerwartet wurde sein Kopf zur Seite geworfen. Seine Wange brannte von ihrem Schlag. Er riss die Augen auf und versuchte dadurch die Augenbinde zum Rutschen zu bringen. Die Augenbinde bedeckte weiterhin hartnäckig seine Augen.
Eine Hand griff in sein Haar und riss daran. Mit schmerzverzehrtem Gesicht versuchte er seine Fesseln zu lösen – oder sich irgendwie zu verteidigen. Sie schleuderte ihn zu Boden und er nahm instinktiv – so gut es ihm möglich war – eine Embryonenstellung ein. Ihr verächtliches Lachen jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Der Zauber, der von ihr ausging, war entgültig verschwunden. Das erste Mal in seinem Leben bekam er es wirklich mit der Angst zu tun. Diese Frau war nicht wie die anderen. Sein Schmerz und seine Angst gaben ihr eine Macht, wie er sie niemandem zugetraut hätte. Und dann diese Demütigung auf dem Boden wie ein schutzloses Baby vor ihr zu liegen. Ihre Reaktionen waren unkalkulierbar. Und wenn sie ihm jetzt ein Messer in den Rücken rammte?
Er verlagerte sein Gewicht und legte sich auf den Rücken. Seine Hände lagen gefesselt unter ihm, hoben seinen Bauch wie eine Zielscheibe in die Höhe. Am liebsten hätte er geweint, aber diese Blöße wollte er sich vor ihr nicht geben. Außerdem würden ihn Sentimentalitäten daran hindern, logisch zu denken – einen Ausweg zu finden.

Ein Absatz bohrte sich in seine linke Brust. Er hielt die Luft an. Wenn sie fest genug zutreten würde, konnte sie sicherlich ernsthafte Verletzungen hinterlassen.
Sein Herz hämmerte aufgeregt. Ihr Absatz bohrte sich tiefer. Nur keine Angst zeigen... Etwas Feuchtes klatschte in sein Gesicht – sie hatte ihn angespuckt. Trotzig drehte er den Kopf zur Seite und versuchte zu ignorieren, dass ihre Spucke durch sein halbes Gesicht lief. Ihr Absatz verschwand aus seiner Brust. Einen Moment lang spürte er Erleichterung – dann traf ihn ihr Tritt unerwartet in die linke Seite. Sie griff nach ihm und hinderte ihn daran, sich zu krümmen. Statt dessen drehte sie ihn auf den Bauch. Er rieb seinen Kopf gegen den Waldboden und versuchte, die Augenbinde abzustreifen.
Wutschnaubend griff sie in sein Haar und riss ihn einige Schritte mit sich nach vorne.
„Was fällt dir ein?“ Ihre glockenklare Stimme klang nun nicht mehr so zart.
Ein Ast knackte. Kurz darauf schlug sie mit einem stumpfen, länglichen Gegenstand auf seinen Hintern. Beim ersten Schlag bohrten sich kleine Verzweigungen mit in seine Hautschicht. Der dumpfe Schlag fraß sich in ihm fest und bohrte sich durch seinen gesamten Körper. Die Tränen traten ihm in die Augen, aber er blinzelte sie aufgebracht weg. In wohldosierten Abständen schlug sie weitere Male zu.
Wie ein Echo hallte der Schmerz erneut durch ihn, wellenartig breitete er sich aus und verschmolz mit dem des vorigen Schlages. Mit jedem Schlag wurde das Echo stärker in ihm, bis er trotz Stoffknebel aufschrie und seine eigene Rotze in seinen Mund eindrang. Er spuckte und würgte, während sein Körper versuchte, den Schmerz abzuwehren.
Plötzlich, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, hörte er auf zu kämpfen. Süß entfaltete sich der Schmerz nun in ihm, ließ ihn vergessen, dass er in seiner eigenen Rotze vor ihr lag, ließ ihn vergessen, wie sehr ihn die Situation mit ihr beunruhigte. Sein Körper zitterte erwartungsvoll. Der Schmerz veränderte sich. Sie schlug nun mit der flachen Hand auf ihn ein – exakt 25 Schläge zählte er. Danach verlor er das Gefühl für die Zahlen. Es gab sie nicht mehr – sie waren nicht länger wichtig. Wohlige Hitze reinigte seinen Körper und tilgte den Stress der letzten Wochen. Nur noch Fühlen.

Erst nach und nach spürte er die Veränderung. Um ihn herum war es still geworden. Nur sein schneller Atem störte die Ruhe. Etwas in seinem Mund schmeckte salzig. Dann hörte er wieder das vertraute Klackern. Er horchte erwartungsvoll.
Zarte Hände entfernten das Klebeband und den Stofffetzen aus seinem Mund. Danach machten sie sich daran, die Augenbinde und die Fesseln zu lösen. Langsam und geschickt gingen sie dabei vor. Geduldig blieb er vor ihr liegen und versuchte zu begreifen, was vor einigen Minuten mit ihm geschehen war. Versuchte zu begreifen, dass er ihre Schläge genossen hatte. Erst dann wurde ihm bewusst, dass seine Augen immer noch tränennass waren.
Sie kniete sich zu ihm und legte seinen Kopf auf ihre Knie. Tröstend streichelte sie über sein Gesicht – folgte der Spur ihrer Spucke bis zu seinem Mund. Er lächelte und ihm wurde bewusst, dass er es das erste Mal seit Jahren geschafft hatte, wirklich abzuschalten und zu entspannen.
Herrlich, genau das isses. Das Fallenlassen ins Bodenlose, das Vergessen von Raum und Zeit, das High-Gefühl und die totale Hingabe, bis es nichts anderes mehr gibt.

Mehr kann eine Frau einem Mann nicht schenken (außer vielleicht einem Kind, aber das ist was anderes...).
Dem kann ich nur zustimmen, genau das empfindet man, kein schmerz mehr, nur noch wärme und das Gefühl wohlbehütet zu sein.
Schön wie du beschreibst, das sie ihn nicht ins bodenlose fallen läst, nein sie ist da, und hält ihn.

Danke für diese schöne Geschichte
Kickdummy
wieder mal eine sehr schöne Geschichte aus Deiner Feder
Wirklich sehr schön geschrieben!
So ist es fein..und immer wieder gern praktiziert ;-)
Hallo Bonnie,

oh ja - erstens eine wunderschöne Geschichte und sehr schön erzählt und zweitens genau den Punkt getroffen!

Sich wirklich hingeben, dem Anderen überantworten und dann diese unglaubliche Mischung aus Schmerz und Lust und Verlangen nach Mehr erleben ... der Körper wird von allen möglichen Hormonen und Emotionen durchströmt ... 100% good vibrations! Topp

Viele Grüße,
Hui, dass die Geschichte von dem Ein oder Anderen gelesen wird war mir klar, nicht aber, dass sie SO GUT ankommt. Freut mich sehr wenn sie euch gefällt. Icon_mrgreen

@ Kickdummy: Wo ein Flug, dort auch ein sanftes Zurückgleiten - so sollte es zumindest sein. SM kann meiner Meinung nur dann wirklich richtig tief gehen, wenn er auch sein "Zuckerbrot" beeinhaltet. Genau das macht den Reiz für mich aus - dieses Wechselspiel. Dadurch kommen die Gefühle erst so richtig in Wallung.

Lieben Gruß

Bonnie
@ Bonnie rat

Kann mich den Vorschreibern nur anschließen ... gute Geschichte!

Gruß
fich Abhau
Bonnie_rat schrieb:... SM kann meiner Meinung nur dann wirklich richtig tief gehen, wenn er auch sein "Zuckerbrot" beeinhaltet. Genau das macht den Reiz für mich aus - dieses Wechselspiel. Dadurch kommen die Gefühle erst so richtig in Wallung. ...

Lieben Gruß

Bonnie

Hallo Bonnie,

Du hast absolut Recht - genau dieses Wechselspiel aus Schmerz und Lust / Härte und Zärtlichkeit ist es (zumindest für mich) worauf es ankommt und was die intensivsten und schönen Gefühle erzeugt!

Liebe Grüße,
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