25.04.2010, 01:26
Wir nannten sie die wilde Franzi. Aber der Kosename den ich und die anderen Diener im Herzogtum der Frau des mächtigen Herzogs geben hatten war beinahe noch zu harmlos. Wenn sie erst in Rage war, konnte sie nichts mehr stoppen. Ich hatte schon oft Prügel von ihr bezogen, aber ich hatte noch Glück gehabt. Vor einem halben Jahr, war sie so wütend gewesen, dass sie einen Diener aus dem Turm warf. Er hatte keine Chance gehabt.
Ihr Wesen war warm. Sie war temperamentvoll. Energisch, akribisch, direkt und zielstrebig. Sie war, obgleich nur die Frau des Herzogs, vermutlich mächtiger als er selbst. Ihre Kontakte reichten in alle Bereiche der königlichen Politik. Den Hof hatte sie fest in der Hand. Sie war eine Perfektionistin. Wischte einer den Boden und entdeckte sie dennoch einen Fleck, brachte das dem Diener mindestens 20 Hiebe mit der Peitsche ein. Wobei sie sich nie selbst bemühte, sondern im Kerker die Wachen die Strafe ausführen ließ. Arbeitete einer zu langsam, so hatte er bald ihren Fuß im Nacken und konnte sich über ein paar Tritte freuen.
Sie war sicherlich grausam, aber nicht sadistisch. Wann immer ein Diener unter ihr zu Leiden hatte, hatte sie einen Grund. Von Willkür konnte man aber in soweit sprechen, dass kaum jemand ihren hohen Anforderungen gerecht werden konnte. Natürlich bemühten sich alle dennoch ehrlich und ernsthaft das von ihr gesteckte Ziel zu erreichen.
In einem Raum mit ihr zu sein bedeutete aber vor allem auch Angst zu haben. Die Gefahr, geschlagen, getreten oder anderweitig bestraft zu werden stieg signifikant.
Auch heute war sie wieder in Prügelstimmung. Sie hatte schlechte Laune, hatte den Finanzjuden des Hofes bereits lautstark zu recht gewiesen. Auch die Dienerin die in der großen Halle die Geranien gegossen hatte, hatte sie angebrüllt, weil diese zu viel Wasser in die Topfe gefüllt hatte.
Nun war sie in meinen Raum gekommen. Ich fertigte gerade eine Abschrift eines Buches an, als sie hereinbrach. Vermutlich wollte sie nur die Finanzberichte eines Meiers aus der Westmark durchsehen, aber es war grundsätzlich auch so, dass sie bei Gelegenheit auch einen Diener kontrollierte.
Sie war eine wunderschöne Frau. Kurze Schwarze Haare und ein makelloses Gesicht. Sie trug eine enge schwarze Bluse und ein etwas weitere grüne Hose. Auf Schuhe hatte sie verzichtet. Das tat sie oft, wenn sie in der Burg war, aber ihre Füße waren stets mit Socken umhüllt. So trug sie auch heute schwarze Socken.
Natürlich hatte ich sie entsprechend begrüßt. Ich hatte den Kopf gesenkt und sie fragend mit „Gebieterin?“ angesprochen. Sie wünschte keinen weiteren Gesten. Schließlich würde uns das von der Arbeit abhalten. Ihr Mann war da anders. Wenn er den Raum betrat, hatte sich ihm jeder zuzuwenden und hinzuknien. Gegebenfalls hatte man ihm die Füße zu küssen. Er war eben eitler und sadistischer. Vermutlich eine seiner größten Schwächen.
Die Herrin Franziska durchstöberte das Archiv. Sie arbeitete selbst sehr oft. Vermutlich, weil sie der Überzeugung war, dass ohnehin keiner der Diener so fähig war, wie sie. Vermutlich stimmte das sogar. Nachdem sie den Bericht gefunden hatte, kam sie auf mich zu.
Meine Hand zitterte. Ich setzte die Feder ab und tunkte ausgiebig in der Tinte. Sie blickte mir über die Schultern, las die Kaligraphie. Ich betete, mein Herz schlug schneller, meine Atmung verknappte sich. Aber da war es schon geschehen. Ihr rechter Zeigefinger, makellos schön, zeigte auf eines der Worte die ich geschrieben hatte. „Was ist denn das?“, fragte sie drohend.
Tatsächlich war das Wort nicht schön. Man konnte es lesen, aber es hatte viele kaligraphische Schwächen. Auch ein Sachkundiger hätte es bemängelt, aber es dämpfte den Wert der ansonsten guten Kaligraphie kaum bis gar nicht.
Während ich vor Angst erstarkte, brachte ich keinen Ton raus. Sich jetzt zu verteidigen, gar mit Sachargumenten, hätte sie in Rage versetzt. Dann wären mir keine 50 Peitschenhiebe erspart geblieben. Und mein Rücken war bereits vernarbt. Ich brachte ein winselnden „Verzeihung Gebieterin“ heraus.
Ihre so makellos schöne Hand formte eine gerade Fläche und rannte mit fester Geschwindigkeit in mein Gesicht. Es knallte, ich spürte den Schmerz. Ihr Finger zeigte wieder auf das Wort. Sie wies mich zu Recht, zeigte laut und wütend meine Fehler aus. Ich war den Tränen nahe, denn meine Bestrafung begann erst.
Nach ihrer lauten Tirade trat sie einen Schritt zurück, hob ihren Fuß und traf mich unerwartet kräftig mit der Sohle an meiner Schulter.
Ich brach von Stuhl herunter und lag nun auf dem Boden. Sie schleuderte das Buch durch den Raum und trat an mich heran. Ich wollte sofort aufstehen, dass Buch herbei tragen und den Fehler korrigieren. Wenn ich sofort weiterarbeitete, so glaubte ich, könnte ich vielleicht einer Bestrafung entgehen. Aber sie stellte ihren Fuß auf mein Gesicht und drückte mich auf den Boden zurück.
Mit ihrer hohen Stimme befahl sie mir das Buch noch einmal neu zu schreiben. Danach griff sie den Bericht und verlies den Raum. Ich kuschte zum Buch, hob es auf, entfernte die Seite und schrieb sie neu.
Ich hatte Glück gehabt. Eine Ohrfeige, ein Tritt, ein Standpauke und ein Fuß auf dem Kopf. Alles besser, als aus dem Fenster geworfen zu werden. Ich betete, dass sie mein Fehler nicht anregen würde, die Kaligraphie später noch einmal zu überprüfen. Sie war gut, aber kein Mensch konnte sie ohne den kleinsten Fehler schreiben. Außer Franziska natürlich.
Ihr Wesen war warm. Sie war temperamentvoll. Energisch, akribisch, direkt und zielstrebig. Sie war, obgleich nur die Frau des Herzogs, vermutlich mächtiger als er selbst. Ihre Kontakte reichten in alle Bereiche der königlichen Politik. Den Hof hatte sie fest in der Hand. Sie war eine Perfektionistin. Wischte einer den Boden und entdeckte sie dennoch einen Fleck, brachte das dem Diener mindestens 20 Hiebe mit der Peitsche ein. Wobei sie sich nie selbst bemühte, sondern im Kerker die Wachen die Strafe ausführen ließ. Arbeitete einer zu langsam, so hatte er bald ihren Fuß im Nacken und konnte sich über ein paar Tritte freuen.
Sie war sicherlich grausam, aber nicht sadistisch. Wann immer ein Diener unter ihr zu Leiden hatte, hatte sie einen Grund. Von Willkür konnte man aber in soweit sprechen, dass kaum jemand ihren hohen Anforderungen gerecht werden konnte. Natürlich bemühten sich alle dennoch ehrlich und ernsthaft das von ihr gesteckte Ziel zu erreichen.
In einem Raum mit ihr zu sein bedeutete aber vor allem auch Angst zu haben. Die Gefahr, geschlagen, getreten oder anderweitig bestraft zu werden stieg signifikant.
Auch heute war sie wieder in Prügelstimmung. Sie hatte schlechte Laune, hatte den Finanzjuden des Hofes bereits lautstark zu recht gewiesen. Auch die Dienerin die in der großen Halle die Geranien gegossen hatte, hatte sie angebrüllt, weil diese zu viel Wasser in die Topfe gefüllt hatte.
Nun war sie in meinen Raum gekommen. Ich fertigte gerade eine Abschrift eines Buches an, als sie hereinbrach. Vermutlich wollte sie nur die Finanzberichte eines Meiers aus der Westmark durchsehen, aber es war grundsätzlich auch so, dass sie bei Gelegenheit auch einen Diener kontrollierte.
Sie war eine wunderschöne Frau. Kurze Schwarze Haare und ein makelloses Gesicht. Sie trug eine enge schwarze Bluse und ein etwas weitere grüne Hose. Auf Schuhe hatte sie verzichtet. Das tat sie oft, wenn sie in der Burg war, aber ihre Füße waren stets mit Socken umhüllt. So trug sie auch heute schwarze Socken.
Natürlich hatte ich sie entsprechend begrüßt. Ich hatte den Kopf gesenkt und sie fragend mit „Gebieterin?“ angesprochen. Sie wünschte keinen weiteren Gesten. Schließlich würde uns das von der Arbeit abhalten. Ihr Mann war da anders. Wenn er den Raum betrat, hatte sich ihm jeder zuzuwenden und hinzuknien. Gegebenfalls hatte man ihm die Füße zu küssen. Er war eben eitler und sadistischer. Vermutlich eine seiner größten Schwächen.
Die Herrin Franziska durchstöberte das Archiv. Sie arbeitete selbst sehr oft. Vermutlich, weil sie der Überzeugung war, dass ohnehin keiner der Diener so fähig war, wie sie. Vermutlich stimmte das sogar. Nachdem sie den Bericht gefunden hatte, kam sie auf mich zu.
Meine Hand zitterte. Ich setzte die Feder ab und tunkte ausgiebig in der Tinte. Sie blickte mir über die Schultern, las die Kaligraphie. Ich betete, mein Herz schlug schneller, meine Atmung verknappte sich. Aber da war es schon geschehen. Ihr rechter Zeigefinger, makellos schön, zeigte auf eines der Worte die ich geschrieben hatte. „Was ist denn das?“, fragte sie drohend.
Tatsächlich war das Wort nicht schön. Man konnte es lesen, aber es hatte viele kaligraphische Schwächen. Auch ein Sachkundiger hätte es bemängelt, aber es dämpfte den Wert der ansonsten guten Kaligraphie kaum bis gar nicht.
Während ich vor Angst erstarkte, brachte ich keinen Ton raus. Sich jetzt zu verteidigen, gar mit Sachargumenten, hätte sie in Rage versetzt. Dann wären mir keine 50 Peitschenhiebe erspart geblieben. Und mein Rücken war bereits vernarbt. Ich brachte ein winselnden „Verzeihung Gebieterin“ heraus.
Ihre so makellos schöne Hand formte eine gerade Fläche und rannte mit fester Geschwindigkeit in mein Gesicht. Es knallte, ich spürte den Schmerz. Ihr Finger zeigte wieder auf das Wort. Sie wies mich zu Recht, zeigte laut und wütend meine Fehler aus. Ich war den Tränen nahe, denn meine Bestrafung begann erst.
Nach ihrer lauten Tirade trat sie einen Schritt zurück, hob ihren Fuß und traf mich unerwartet kräftig mit der Sohle an meiner Schulter.
Ich brach von Stuhl herunter und lag nun auf dem Boden. Sie schleuderte das Buch durch den Raum und trat an mich heran. Ich wollte sofort aufstehen, dass Buch herbei tragen und den Fehler korrigieren. Wenn ich sofort weiterarbeitete, so glaubte ich, könnte ich vielleicht einer Bestrafung entgehen. Aber sie stellte ihren Fuß auf mein Gesicht und drückte mich auf den Boden zurück.
Mit ihrer hohen Stimme befahl sie mir das Buch noch einmal neu zu schreiben. Danach griff sie den Bericht und verlies den Raum. Ich kuschte zum Buch, hob es auf, entfernte die Seite und schrieb sie neu.
Ich hatte Glück gehabt. Eine Ohrfeige, ein Tritt, ein Standpauke und ein Fuß auf dem Kopf. Alles besser, als aus dem Fenster geworfen zu werden. Ich betete, dass sie mein Fehler nicht anregen würde, die Kaligraphie später noch einmal zu überprüfen. Sie war gut, aber kein Mensch konnte sie ohne den kleinsten Fehler schreiben. Außer Franziska natürlich.